Startseite » News » A Place to stay

A Place to stay

A Place to stay – Dreihundert Jahre altes Winzerhaus adaptiert

Text:   Therese Backhausen

Fotos: Fam. Kodolitsch und Autorin

Weingut Kodolitsch

Im Fokus des Kulturerbejahres 2018 stand auch die kulturelle und historische Bedeutung der Weinbauarchitektur im Weltkulturerbe, dem EUROPA NOSTRA Austria eine Veranstaltung in Krems widmete. Es sind vielfältige Ausprägungen von Bautypen, die die traditionelle Weinbaukulturlandschaft bereichern. So auch mitten in den steirischen Weinbergen bei Leibnitz. Dort zieht sich als Motto, ein harmonisches Zusammenspiel aus alt und neu zu schaffen, durch ein Projekt, bei dem die Familie Kodolitsch ein bald dreihundert Jahre altes Winzerhaus revitalisiert und auf den neuesten Stand gebracht hat.

Nordwestseite Historische Aufnahme

Das heute als Wohn- und Eventgebäude genutzte Anwesen geht in seinen ältesten Bauteilen auf das Jahr 1745 zurück und befindet sich seit damals im Familienbesitz. Es war ein einfacher, zweigeschossiger und satteldachgedeckter Baukörper über rechteckigem Grundriss mit Fenster- und Türgewänden aus Aflenzer Sandstein. Im Dachgeschoss befand sich die Wohnung des Weingutbesitzers, im Erdgeschoß war die Baumkelter untergebracht und im von außen begehbaren, mehrjochigen, stichkappengewölbten Weinkeller mit barockem Türgitter wurden die Weinfässer gelagert.

Anbau Südwestfront

Ziel der Generalsanierung war es, den Charme des Baukörpers weitgehend zu bewahren und mit moderner Infrastruktur zu verbinden, das Haus optisch zu belichten und belüften, dabei aber möglichst viel Substanz zu erhalten. Es wurde nach Lösungen gesucht, die Bestand haben. Dieser hohe Anspruch und die damit verbundenen Herausforderungen führten dazu, dass durch ein intelligentes Sanierungskonzept mehr Wohnraum geschaffen und ein behagliches Ensemble entwickelt wurde, das seine Ausstrahlung durch einen überzeugenden Mix aus Alt und Neu bezieht. Geschmack und viel Fingerspitzengefühl waren bei diesem Haus mit so langer Tradition Voraussetzung.

Nordwestseite nach dem Umbau

Südwestseitig wurde der bestehende Bau aufgebrochen und über die gesamte Hauslänge erweitert. Durch große Glasfronten bezieht dieser verandaartige Zubau, an den sich außen eine großzügige Holzpergola anschließt, sein Licht. Die räumliche Erweiterung an der Nordwestfassade wurde nach außen durch eine vorgesetzte Raumschicht – es handelt sich dabei um in Holzfarbe gestrichenen Sichtbeton in Holzbrettschaltung – mit offener Veranda und einer den Eingangsbereich einbeziehenden Pergola erzielt. Im Inneren durch die Öffnung nach oben bis zum Giebel. Dort dominiert ein die gesamte Giebelfront einnehmendes Glasfenster, das gemeinsam mit den neuen, bis zum Boden reichenden Fensteröffnungen auch hier großzügig Licht spendet. Das Dachgeschoß wurde mittels zwei Gauben vergrößert und der südöstlichen Giebelfront ebenfalls ein großzügiges Glasfenster einverleibt. Auch die Fassaden des alten Hauses haben ihre Sanierung erhalten. Dass sich Historie wunderbar ins Heute transportieren lässt, beweist der behutsam restaurierte, ziegelsichtige Gewölbekeller, dessen ursprünglicher Lehmboden mit handgeschlagenen historischen Ziegeln, die aus zwei abgetragenen Scheunen stammen, gepflastert wurde.

Weinkeller

Allen historischen Bereichen hat man sein Daseinsrecht gelassen. Man kann dies an den Außenseiten ablesen: alles was neu ist, äußert sich optisch durch modernes Wohnbauambiente im Gegensatz zu den verdichteten historischen Teilen. Die Ablesbarkeit von Alt und Neu offenbart sich außen wie innen überall. Sei es nun, dass zwei historische, die ehemalige Überdachung der Eingangsfront tragende Säulen ins neue Ensemble integriert wurden, sei es, dass die profilierten Sandsteineinfassungen der originalen Türen und Fenster mit den barocken Gittern erhalten wurden. Mit den sorgsam restaurierten barocken Türen samt Supraporten, Holztramdecken, Kästen und Truhen sowie dem Kachelofen geben diese repräsentativen Ausstattungsteile einen Eindruck vom Selbstverständnis ihrer Bauherren. Ein Eyecatcher ist die Baumkelter, die, dort belassen wo sie war, in das Ambiente integriert wurde. Aus ihren Holzladen entstand u.a. der Esstisch, aus ihrer Presse der Couchtisch.

Nordostseite

Ästhetisch aber ist es weit mehr, nämlich ein modernes Ambiente auf der Grundlage des überkommenen Baubestands, dem man sehr gekonnt zu einem neuen Leben verholfen hat.

Mit engem Bezug zur Landschaft handelt es sich hier um eine gelungene Verbindung von historischem Winzerhaus und modernem Begegnungszentrum.

 

Nordwestfront
Nordwestseite während des Umbaues

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *