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Frühlings Newsletter 2021

 

Der Europäische Green Deal und die Historischen Gebäude 

Die EU hat sich verpflichtet, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen. Alle Maßnahmen und Politiken der EU müssen demnach zu den Zielen des europäischen Green Deal beitragen.

Eine der umfassenden Maßnahmen wird auch sein, Gebäude umweltfreundlicher zu machen. Treibende Kraft dahinter soll ´Das Neue Europäische Bauhaus´ (NEB) sein.

Dies ist ein ökologisches, wirtschaftliches und kulturelles Projekt, mit dem Design, Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit und Investitionen kombiniert werden sollen, um einen Beitrag zur Umsetzung des europäischen Grünen Deals zu leisten.

Im entsprechenden Positionspapier finden historische Gebäude darin zweimal Erwähnung:

In Absatz 1 ist ein Passus enthalten, der in den nächsten 10 Jahren eine umfassende Renovierung von 35 Millionen Gebäuden vorsieht, um die CO2-Reduktionsziele der EU zu erreichen. In diesem Zusammenhang sei zu berücksichtigen, dass ca. 35 % der Gebäude in der EU über 50 Jahre alt sind, von denen viele als historische Gebäude geschützt sind.

Im Absatz 3 ist festgehalten, dass angesichts der aktuellen Herausforderungen, insbesondere des Klimawandels, die wesentlichen Anforderungen zur Verbesserung der Qualität neuer Gebäude und zur Pflege unserer historischen Gebäude und Standorte konvergierende Ziele und Prinzipien haben müssen.

Der Verein Historische Gebäude Österreich setzte sich auf Initiative unseres Präsidenten Alexander Kottulinsky und des Exekutivpräsidenten von European Historic Houses Association, Alfonso Pallavicini, bei EUROPA NOSTRA vehement für die Streichung des Passus „historische Gebäude“ in beiden Fällen ein. Diese Sätze hätten schlimme Konsequenzen für alle historischen Häuser, da ja viele Immobilien hunderte von Jahren alt sind und für sie nicht die gleichen „Ziele“ wie für Neubauten gelten können.

Am 22. März 2021 fand ein Webinar anlässlich der Präsentation des auf die Einbeziehung des gemeinsamen kulturellen Erbes in die Klimaschutzmaßnahmen abzielenden ´Green Papers´ zum Europäischen Kulturerbe statt. Dieses ´Green Paper´ hat EUROPA NOSTRA als offizieller Partner des NEB in enger Zusammenarbeit mit ICOMOS und anderen Organisationen erstellt.

Bei diesem Webinar, an dem 561 Personen aus ganz Europa teilnahmen, stellte Dr. Andrew Potts von ICOMOS als Hauptautor das Green Paper, in dem die Positionen des VHGÖ und EHHA hinsichtlich der historischen Häuser Berücksichtigung gefunden haben, vor: „Die Idee für dieses Green Paper entstand im Dezember 2019, als wir den Europäischen Green Deal zum ersten Mal gelesen haben und feststellten mussten, dass er keine besondere Rolle für Kultur und Erbe vorsieht. Der Green Deal enthält keine Informationen zu historischen Gebäuden, historischen Stadtlandschaften und traditioneller Gebäudetechnik. Gebäude werden im Rahmen des Green Deal umfassend behandelt, aber es ist ein wenig überraschend, dass der Green Deal keine Angaben zu historischen Gebäuden, historischen Stadtlandschaften und traditioneller Gebäudetechnik enthält.“

Sie können das Green Paper hier lesen……

Alfonso Pallavicini bekräftigte als Teilnehmer des Webinars nochmals die besondere Situation historischer Gebäude, wie folgt: „Wir sind ein sichtbarer Teil des Gesichtes Europas, eine Hauptattraktion für den Kulturtourismus. Viele unserer Häuser sind auf die eine oder andere Weise offiziell geschützt. Jedes Land in Europa hat unterschiedliche Gesetze, Schutzsysteme, Subventionsregeln und Steuerregeln. Als Vorgänger dessen, was man heute Umweltfreundlichkeit nennt, sind ein Großteil unserer historischen Häuser kohlenstoffneutral oder vielleicht sogar kohlenstoffnegativ aus lokalem Stein oder lokalem Holz gebaut. Wir sind Ihre Privatkunden. Wir sind von vielen Entscheidungen betroffen und möchten Teil des Green Deal sein

Den Link zu seinem vollständigen Beitrag finden Sie hier….…

Ein künstlerisches Gesamtkunstwerk und wichtige Zeugin der frühen Neogotikrezeption in Salzburg wurde wiederhergestellt

 Therese Backhausen

Schwarzenbergkapelle ©Maritsch, Salzburger Burgen und Schlösser
Schwarzenbergkapelle ©Maritsch, Salzburger Burgen und Schlösser
Unter dieser neogot. Decke befindet sich der Deckenrest aus der Zeit Wolf Dietrichs ©Maritsch, Salzburger Burgen und Schlösser
Unter dieser neogot. Decke befindet sich der Deckenrest aus der Zeit Wolf Dietrichs ©Maritsch, Salzburger Burgen und Schlösser

Die um das Jahr 1844 entstandene neugotische, farbig ausgemalte private Hauskapelle von Erzbischof Friedrich Fürst zu Schwarzenberg (1809–1885) in der Salzburger Residenz wurde in den letzten Jahren in engem Einvernehmen mit dem Bundesdenkmalamt einer umfassenden Restaurierung unterzogen und denkmalgerecht wiederhergestellt. Damit wurde ihr jene Gegenwärtigkeit zurückgegeben, welche dem seinerzeitigen intimen Rahmen als Schauplatz stiller Andacht entsprach.

 Im Zentrum der Residenz, direkt zwischen den auf Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau (1559–1617) zurückgehenden repräsentativen Räumen des Wallistraktes und der Landkartengalerie, versteckte sich ein unbekanntes Kleinod, dem von der Forschung bis zum Jahr 2009 wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden war.[1]

Seine Geschichte beginnt im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts, als Friedrich Fürst zu Schwarzenberg, der der bedeutenden fränkisch-böhmischen Adelsfamilie entstammte und im Jahr 1835 in der wirtschaftlich äußerst angespannten Zeit nach der Säkularisation im Alter von 26 Jahren Fürsterzbischof von Salzburg geworden war, vom Kaiserhaus die Nutzung genau definierter Räume in der Residenz genehmigt wurden, in denen er von 1836 bis 1850 residierte.[2] Und sie endet schon wieder einige Jahre später mit seiner Berufung zum Erzbischof von Prag im Jahre 1850, in dem die Kapelle aufgegeben und vergessen wurde. Diese musste in Folge einiges über sich ergehen lassen. Das einmalige Zeitzeugnis wurde zur Rumpelkammer und zum Durchgangsraum, seine Malereien unter weißer Farbe verborgen. Die beeindruckende sakrale Kapellenausstattung, von der immer nur der Altar bekannt war, harrte, mit Ausnahme der vor Ort verbliebenen neugotischen Türen samt kiel- bzw. rundbogigen, eine Pieta und gegenüber die Auferstehung Christi darstellenden Supraporten, in den Depots einiger Salzburger Museen.

Erhaltene Glasfragmente © BDA, Petra Laubenstein
Erhaltene Glasfragmente © BDA, Petra Laubenstein
Festigung und Reinigung der Glasmalerei © Glasmalerei Peters
Festigung und Reinigung der Glasmalerei © Glasmalerei Peters
Lichtstimmung als Teil des Gesamtkunstwerks ©Maritsch, Salzburger Burgen und Schlösser
Lichtstimmung als Teil des Gesamtkunstwerks ©Maritsch, Salzburger Burgen und Schlösser

Der über rechteckigem Grundriss errichtete Andachtsraum im Ausmaß von 14 m² ist ein kleiner Durchgangsraum, der über eine Fensterachse und zwei Türen verfügt und sowohl malerisch als auch hinsichtlich des Mobiliars aus einem Guss gestaltet war. Der kunstsinnige Fürsterzbischof engagierte für seinen persönlichen Andachtsraum mit Georg Pezolt (1810–1878), der in Folge von ihm maßgeblich gefördert wurde, einen wichtigen Vertreter der Salzburger Neogotik. Pezolt war ein italophiler Maler und Architekt sowie erster ehrenamtlicher Denkmalpfleger von Salzburg. Von der mittelalterlichen Kunst anlässlich einer gemeinsamen Italienreise, die sie bis nach Sizilien führte, begeistert und inspiriert, schuf Pezolt in Salzburg zu einer Zeit, als der Historismus in Österreich noch nicht entfaltet war, unter Beibehaltung der ursprünglichen räumlichen Struktur ein einzigartiges Denkmal, das ganz ohne Prunk und mit traditionellen und einfachen Handwerkstechniken auskam. Er kam dabei dem persönlichen Wunsch Schwarzenbergs nach, es im „normannischen Spitzbogenstil“ zu gestalten. Es entstand ein Schmuckkästchen und außerdem ein Kompendium an vielfältigen Formenrepertoires, wie es die mittelalterliche Gotik hervorbrachte. Entsprechend waren die Wände mittels einer farblich in kräftigen Blau-, Rot- und Ockertönen abgesetzten Schablonenmalerei in Leim-Kaseinfarben mit geometrischen Mustern überzogen. Im reicher gestalteten Altarbereich umrahmten Kielbögen mit gotischen Maßwerkformen samt Grisaille-Malerei analog den Supraporten den Altar. Die Altarblätter selbst zeigen in der Mitte die thronende Muttergottes mit segnendem Jesuskind, seitlich flankiert von den Aposteln Petrus und Paulus. Die abgenommene und deponierte Decke, die auf die ebenfalls noch erhaltene Decke aus der Wolf-Dietrich-Zeit montiert war, ist eine vierteilige, in Blau und Rot gehaltene Leinwandmalerei mit gotischen Passformen und Ranken. Den Marmormosaiken der zwischen dem 12. und 14. Jh. in Italien tätigen Kosmaten sind die Verzierungen an den Türen und am Altar nachempfunden. Zusammen mit der farbig gefassten, kunsthandwerklich bedeutenden Ausstattung wie Betschemel, Faltstuhl, Beichtstuhl, Knieschemel, Hockern, Leuchtern und Podesten sowie den qualitätvoll bestickten Textilien bildeten sie ein einheitliches Ensemble.

Supraporte, Grisaillemalerei auf Goldgrund © BDA, Petra Laubenstein
Supraporte, Grisaillemalerei auf Goldgrund © BDA, Petra Laubenstein
Textilien gestickt von Frauen aus den ersten Häusern Salzburgs © BDA, Conny Cossa
Textilien gestickt von Frauen aus den ersten Häusern Salzburgs © BDA, Conny Cossa
Schrittweise Freilegung der Wandmalerei © Romana Gstrein, Christian Woller
Schrittweise Freilegung der Wandmalerei © Romana Gstrein, Christian Woller

Frühere grobe Freilegungen, Verletzungen an den Wänden infolge eingezogener Elektroleitungen und unwiederbringliche Zerstörungen der Wandmalerei machten die nunmehrige Restaurierung zur spannenden Herausforderung. 2016 und 2019 fanden Befundungen und Bestandsaufnahmen statt, danach wurden in einem aufwendigen Prozess sämtliche Wandoberflächen freigelegt, erhalten, konserviert und restauriert. Die Narben der letzten 170 Jahre wurden bewusst sichtbar gelassen und Fehlstellen nicht rekonstruiert. Die verstreute Ausstattung konnte in Folge wieder vereinigt und die Textilien konnten konserviert werden.

Problematisch war der Zustand des als frühes Beispiel der neugotischen Glaskunst kunstgeschichtlich bedeutenden Fensters, welches nur mehr in wenigen Teilen dem Original entsprach. In Kleinarbeit wurden die im Bestand vorhandenen Teile konserviert und die Fehlstellen bewusst so vereinfachend ersetzt, dass, soweit es möglich war, der Eindruck jener Diaphanie, wie sie gotische Kirchenräume auszeichnet, wiederhergestellt werden konnte.

Die Schwarzenbergkapelle erscheint heute als frühe Zeugin der Neogotik in Salzburg und soll in weiterer Folge der Öffentlichkeit im Rahmen des Domrundganges wieder zugänglich gemacht werden.

Quelle:
https://bda.gv.at/publikationen/details/wiederhergestellt-63-die-schwarzenbergkapelle-in-der-salzburger-residenz/

[1] Im Jahr 2009 widmete Frau Dr. Ingonda Hannesschläger von der Universität Salzburg im Rahmen einer Tagung zur Residenzforschung der Hauskapelle Schwarzenbergs einen umfassenden Artikel, der Basis für alle weiteren Forschungen ist: INGONDA HANNESSCHLÄGER, Die Hauskapelle von Erzbischof Friedrich Fürst zu Schwarzenberg (1809–1885) in der Salzburger Residenz. Ein Beitrag zum Schicksal der Residenz und der Erzbischöfe nach der Säkularisation, in: Höfe und Residenzen Geistlicher Fürsten, Strukturen, Regionen und Salzburgs Beispiel in Mittelalter und Neuzeit. Ergebnisse der internationalen und interdisziplinären Tagung in der Salzburger Residenz, 19.–22. Februar 2009, Jan Thorbecke Verlag, S. 503–522.

[2] Sein Onkel Ernst Fürst Schwarzenberg erwarb im Jahre 1804 das Salzburger Schloss Aigen, das auch der Fürsterzbischof bis zum Einzug in die Residenz und ebenso danach im Sommer bewohnte.

Coronabedingte Renaissance der österreichischen Burgen, Schlösser und Herrenhäuser mit Grund?

Siegbert Sappert

Schloss Krumbach ©_Hendrich Real Estate GmbH
Schloss Krumbach ©_Hendrich Real Estate GmbH

Vor knapp mehr als einem Jahr lösten Coronapandemie und Lockdown ein Umdenken in vielen Bereichen des täglichen Lebens aus. So auch bei den Immobiliensuchenden, denen plötzlich eigene Freiflächen – sei es nun ein Balkon, ein eigener Garten oder gar ein Schlosspark – wichtig wurden, und das Ganze bitte im Inland. Ein Trend, der sich somit auch zumindest werthaltig auf historische Objekte in Österreich auswirken dürfte.

In früheren Jahrhunderten gehörte es zum guten Ton der Adeligen, ein Winterpalais in der Stadt und am Land einen Sommersitz mit landwirtschaftlichem Grundbesitz, der zumeist die Vermögensgrundlage bildete, zu besitzen. Dieses Konzept war in den vergangenen 100 Jahren völlig aus der Mode gekommen, und wer es sich leisten konnte, suchte sich infolge der steigenden Mobilität durch Auto und Flugzeug oft weiter entfernte Zweitwohnsitze in Südeuropa oder gar auf einem anderen Kontinent.

Spazierengehen – oder „Lustwandeln“, wie es trefflicher bezeichnet wurde – war ebenso lange nur der Oberschicht vorbehalten, da nur diese es sich erlauben konnte, etwas zu tun, das nicht einem direkten Nutzen und Vorteil diente. So wurden um die Adelssitze herum die ersten Renaissance- und Barockgärten und später weitläufige Landschaftsparks nach englischem Vorbild angelegt. Bereits im Jahr 1779 wurde der Schönbrunner Schlosspark (mit Ausnahme der Kammergärten) für die Bevölkerung geöffnet. Stadterweiterungen und Raumplanung sahen ab dem 19. Jahrhundert immer selbstverständlicher Grünflächen zur Regeneration der Anrainer vor. Als nun in der Pandemie sämtliche sonstigen Freizeit- und Vergnügungsaktivitäten eingeschränkt wurden bzw. unmöglich waren, erlebte auch das Spazierengehen in den öffentlichen Parks dank Corona eine regelrechte Renaissance. Der empfohlene Mindestabstand war dabei oft nicht einhaltbar.

Wer die Möglichkeit hatte, zog sich auf seinen meist im ländlichen Bereich gelegenen Zweitwohnsitz zurück – allerdings nur, sofern dieser in Österreich lag. Und wer einen solchen sein Eigen nennen konnte, wurde beneidet. Somit stieg die Nachfrage für Objekte am Land. Und wer es sich eben leisten kann, sucht nunmehr auch nach größeren Objekten wie Burgen und Schlössern.

So zeigt das österreichische Grundbuch im Jahr 2020 u. a. folgende Eigentümerwechsel im Segment der Herrenhäuser, Burgen und Schlösser:

Besonders glücklich dürften sich die Käufer der charmanten Stadtburg in Eggenburg schätzen, die neue Eigentümer aus Wien fand. Mit dem Palas in Form einer im 19. Jahrhundert errichteten Gründerzeitvilla bietet sie ein schönes Raumkonzept und ist bei aller Abgeschirmtheit durch die ehemaligen Burgmauern doch nur einen Steinwurf vom Eggenburger Hauptplatz entfernt.

Nach vielen Jahren unglücklicher Verkaufsbemühungen fand auch Schloss Aurolzmünster, das „Innviertler Versailles“, einen neuen Schlossherrn, der es als Projektentwickler in allen Bereichen mit neuem Leben erfüllen wird. Neben Eventgastronomie sollen hier auch gehobene Wohnungen entstehen.

Burgarena Finkenstein ©_Hendrich Real Estate GmbH.JPG
Burgarena Finkenstein ©_Hendrich Real Estate GmbH.JPG
Burg Eggenburg©_Hendrich Real Estate GmbH.JPG
Burg Eggenburg©_Hendrich Real Estate GmbH.JPG

Trotz des ersten harten Lockdowns bedurfte es nur 17 Wochen Vermarktungszeitraum ab Februar 2020 für die allseits bekannte Burgarena Finkenstein am Faaker See in Kärnten, bis der Investor Thomas Seitlinger dieses Unikat entdeckt. Er entwickelt aktuell ein exklusives Ferienresort auf der Hochrindl und bezog das Burgareal in sein Gesamtprojekt als Eventlocation und Gastronomie mit ein. Da er noch viel vorhat, kaufte er auch gleich eine dazu akquirierte Landwirtschaft mit ca. 20 Hektar unterhalb der Burg in Altfinkenstein mit dazu.

Ebenfalls im vergangenen Jahr erwarb Heidi Goëss-Horten das Kärntner Schloss Thürn bei Wolfsberg. Was sie damit vorhat, ist noch unbekannt. Bisher diente das von Weinbergen umgebene Schloss dem Verkäufer als komfortabler Wohnsitz.

Das Schlosshotel Krumbach in der Buckligen Welt ging noch kurz vor Beginn der Pandemie an eine ausländische Investorengruppe. Seit dem Herbst 2020 wird dort nach einer Renovierung eine internationale Schule mit Internat unter der Initiatorin des Projektes, Frau Dr. Oksana Volozhanina, betrieben.

Auch das sogenannte Pfannreitgut bei Freyenstein an der Donau mit seiner Antiquitätensammlung fand nach fast 10 Jahren Vermarktungszeitraum im Jahr 2020 einen Käufer aus Wien, der sich vor allem über die unmittelbare Lage oberhalb der Donau erfreut.

Über den Verkauf des Schlosses Lichtenau im Waldviertel im vergangenen Herbst finden Sie einen ausführlichen Artikel in diesem Newsletter.

So bleibt es spannend, wie sich dahingehend der Trend fortsetzt. Auf der einen Seite hat mancher Burg- oder Schlossherr aufgrund von Corona seine Verkaufsabsicht zumindest für den Moment zurückgestellt und erfreut sich an seiner weitläufigen Liegenschaft. Auf der anderen Seite suchen coronabedingt doch merklich mehr Menschen ebendiese Art von Objekten.

Die Möglichkeit, innerhalb Österreichs vor allem um Wien herum der Großstadt zu entfliehen, ist gefragt wie schon lange nicht mehr.

Leben und Wohnen inmitten einer Präsenz jahrhundertelanger Vergangenheit

Therese Backhausen
Alle Fotos © Familie Moravi

Historische Hofansicht, Gemälde v. Gusti Leitgeb 1916
Historische Hofansicht, Gemälde v. Gusti Leitgeb 1916

Seit dem Erwerb im Jahr 2013 restaurieren und revitalisieren Mag.a Miriam und Dipl.-Ing. Jürgen Moravi mit viel Liebe und Fachkenntnis ein bis ins 13. Jh. zurückreichendes Bürgerhaus in Friesach, Kärntens ältester Stadt. Im letzten Jahr wurde es von European Historic Houses zum „Haus des Monats“ gewählt.

Der üppige Hofbewuchs wurde entfernt
Der üppige Hofbewuchs wurde entfernt
Dachlandschaft vor der Restaurierung
Dachlandschaft vor der Restaurierung
Ziel der Restaurierung der Dachlandschaft war, die hist. Dachansicht wiederherzustellen.Kamine wurden rückgebaut, alte u. neue Ziegel assoziieren Lebendigkeit (2)
Ziel der Restaurierung der Dachlandschaft war, die hist. Dachansicht wiederherzustellen.Kamine wurden rückgebaut, alte u. neue Ziegel assoziieren Lebendigkeit (2)

„Wir sind im Endeffekt alles verrückte Liebhaber, die eben die Geschichte schätzen, die Schönheit des Hauses […] Man muss diese Häuser ja auch reparieren und viel Geld und Zeit reinstecken“, sagte der Präsident von European Historic Houses, Alfonso Graf Pallavicini, in einem ORF-Interview. Ebendiese Liebhaberei trieb Familie Moravi, langjährige Mitglieder des Vereins Historische Gebäude Österreich, an, sich eines zwar denkmalgeschützten, aber durch Feuchtigkeit, massiven Bewuchs sowie Verwahrlosung infolge 20-jährigen Leerstands geschädigten und dem Verfall preisgegebenen Baukomplexes anzunehmen mit dem Ziel, es auch zu bewohnen. Schon rein von Berufs wegen – Miriam Moravi ist Kunsthistorikerin und Malerin und Jürgen Moravi Architekt und Denkmalpfleger beim Bundesdenkmalamt – waren ihnen Restaurierung und Revitalisierung des Baues eine Herzensangelegenheit.

Die Besitzergeschichte ist aufgrund der vielen Stadtbrände in Friesach nicht lückenlos verifizierbar und schon gar nicht bis in das Mittelalter nachverfolgbar. Aus den noch vorhandenen Annalen geht jedoch hervor, dass das an der Fürstenhofgasse im Ortszentrum gelegene Haus im Laufe der Jahrhunderte ab etwa 1600 nicht nur eine Weinschenke war, sondern auch eine Reihe von Handwerkern, Beamten und Medizinern (Stadtphysikern) beherbergte.[1] Zu Letzteren gehörte ab Mitte des 19. Jh. Albert Ritter von Kalchberg, Sohn des bekannten steirischen Politikers, Literaten, Historikers und Weggefährten Erzherzog Johanns Johann von Kalchberg. Der Besitz ging auf Alberts Kinder, respektive seine Söhne Winfried und Oskar über. Winfried von Kalchberg, an den heute noch Initialen auf einer Steinplatte im Hof erinnern, war Friesachs Bürgermeister und sein Bruder Dr. Oskar von Kalchberg ein bekannter Bergsteiger.

Jürgen und Miriam Moravi
Jürgen und Miriam Moravi
Dien Labn wird restauriert
Dien Labn wird restauriert
Labn heute
Labn heute

Dank der Zusammenarbeit von Archäologie und Bauforschung im Vorfeld konnte viel Erhellendes auf dem Weg hin zur Umsetzung der Gesamtmaßnahmen beigetragen werden. Im Zuge einer baugenetischen Voruntersuchung durch Jürgen Moravi konnten noch vorhandenes Mauerwerk befundet und so große Teile der langen Baugeschichte ablesbar und nachvollziehbar gemacht werden.[2] Dabei wurden insgesamt acht Bauphasen ausfindig gemacht, deren älteste bis in die Mitte des 13. Jh. zurückreicht. Mit dem sogenannten „Rundbogentor“ aus dieser Zeit ist noch heute hofseitig einer der ältesten Eingänge in das Haus erhalten. Das Areal dürfte aber schon viel früher genutzt worden sein. Scherbenfunde aus dem 11./12. Jh., die aufgrund archäologischer Grabungen zutage gebracht wurden, weisen – ohne Bezug zu nachfolgenden Verbauungen – auf eine noch ältere Nutzung des Areals hin.

An den ursprünglichen Bau des 13. Jh. anschließend, kam es in den kommenden Jahrhunderten zu räumlichen Erweiterungen Richtung Süden, Südosten und Osten, sodass allmählich ein Baukomplex auf hakenförmigem Grundriss mit Haupt-, Neben- und Küchentrakt, der einen nach Osten hin offenen Innenhof umschließt, entstand und seine heutige Größe erhielt.

Aus der Zeit um 1500 haben sich Nutzungs- und Alterungsspuren wie Verrußungen erhalten: Schwärzungen unter den Verputzungen und eine rußgeschwärzte Öffnung an der Außenmauer im Bereich des Küchentraktes sind erkennbare Zeugen einer Rauchküche, vielleicht auch einer Schmiede. Ein das räumliche Erscheinungsbild heute noch prägender Umbau stammt aus der Renaissance, in der wesentliche Teile des Gartentraktes entstanden. Tonnengewölbe mit Stichkappen deuten auf eine Entstehung im 16. Jh. hin. Aufgrund eines Brandes musste im 18. Jh. im Haupttrakt eine Decke neu errichtet werden. Der Trambaum samt geschnitzter Rosette in der Mitte trägt die Jahreszahl 1763 sowie Initialen des seinerzeitigen Besitzers. Sein äußeres Erscheinungsbild erhielt der Bau im frühen 19. Jh., denn nach dem Stadtbrand von 1804 war die Neugestaltung der Dachkonstruktion notwendig; etwas später im Biedermeier wurde die Hauptfassade neu konzipiert.

Josephinische Wandmalerei mit Vögeln auf einem Baum und Turteltauben mit Nest in ehemaliger Schlafnische im 1. Stock
Josephinische Wandmalerei mit Vögeln auf einem Baum und Turteltauben mit Nest in ehemaliger Schlafnische im 1. Stock
Ehemaliger Salon, Pilastermotiv mit Kapitell,, Ende 18. Jh. t
Ehemaliger Salon, Pilastermotiv mit Kapitell,, Ende 18. Jh. t
Ehemaliger Salon, Gesicht eine Grazie, Ende 18. Jh.
Ehemaliger Salon, Gesicht eine Grazie, Ende 18. Jh.
Ehemaliger Salon, Amsel in Blumenranke, Ende 18. Jhr
Ehemaliger Salon, Amsel in Blumenranke, Ende 18. Jhr

Da dem Bau seit dieser Zeit keine erheblichen Umbauten mehr beschert worden waren, konnten im Zuge der Restaurierungsmaßnahmen der Innenräume große Teile künstlerisch wertvoller Wandmalerei ans Licht geholt werden. Ihre Geschichte lässt sich durch mehrere Farb-, Gips- und Freskenschichten nachvollziehen. So wurden im ehemaligen Schlafzimmer des Obergeschoßes die Wandoberflächen schichtweise durchsucht. Die achtzehnte und älteste Schicht, eine josephinische Wandmalerei in der ehemaligen Schlafnische mit Ranken- und Vogelmotiven, ist die künstlerisch wertvollste und bereits restauriert. Aus der Zeit gegen Ende des 18. Jh. stammt auch die punktuell zwar freigelegte, aber noch unrestaurierte und von erkennbaren jüngeren Schichten überlagerte Empiremalerei des ehemaligen Salons. Was für ein Glücksfall, denn die damals oft verwendeten Materialien wie Gelatine und Kalk-Kasein-Farben sind jahrhundertelang haltende Naturprodukte. In der ebenerdigen heutigen Wohnstube kam eine aus der Biedermeierzeit stammende Schablonenmalerei zutage, welche detailgetreu nach Befund rekonstruiert wurde. Es handelt sich dabei um bemalte, eine edle Stofftapete imitierende bzw. Assoziationen mit Laubwerkstuck erweckende Tapetenstreifen. Dieser Raum zeigt sich, wie auch die restaurierte Hauptfassade, nun wieder im eindrucksvollen biedermeierlichen Konzept.

Im Zuge der aufwendigen Gesamtsanierung wurden Kanalisation, Heizung, Elektrik und Wasseranschlüsse mit großer Rücksichtnahme auf die bestehenden Gegebenheiten erneuert und der Bau bei gleichzeitiger Wahrung seines historischen Gesichtes mit bester, den heutigen Anforderungen an Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit entsprechender Technik ausgestattet.

Vorzustand Stube
Vorzustand Stube
Rekonstruierte Wandtapete in der Stube
Rekonstruierte Wandtapete in der Stube
Hauptfassade aus dem Biedermeier
Hauptfassade aus dem Biedermeier

Miriam und Jürgen Moravi sind noch nicht müde vom Leben in einer Dauerbaustelle, denn die restauratorischen Maßnahmen, von denen man mit Spannung und Freude auch künftige Entdeckungen erwartet, sind noch lange nicht zu Ende.

Und parallel dazu das Haus für interessierte Besucherinnen und Besucher, wie z.B. vor einiger Zeit für die Teilnehmer unserer Kärntenexkursion, zu öffnen, ist ihnen ein selbstverständliches Anliegen.

[1] Joachim Eichert, Moravi Haus Friesach, Fürstenhofgasse 10, Archivalische Quellenforschung v. 27.07.2016.

[2] Jürgen Moravi, Die 800-jährige Baugeschichte eines Friesacher Bürgerhauses, Eine bauhistorische
   Betrachtung, in: 800 Jahre Stadt Friesach. Schriftenreihe der Akademie Friesach, Folge 5, Johannes
   Grabmayer (Hrsg.), Klagenfurt 2015, S. 311–326.

Schlüsselübergabe in Schloss Lichtenau im Waldviertel

Siegbert Sappert

Schloss Lichtenau im Waldviertel ©_Hendrich Real Estate GmbH
Schloss Lichtenau im Waldviertel ©_Hendrich Real Estate GmbH

Nach über 200 Jahren im Familienbesitz übergibt Leela Ehrenfels den Schlüssel zum Schloss Lichtenau an den Käufer Ing. Emmerich Zöchbauer, der dieses mit seiner Familie aus einem wohlbehüteten Dornröschenschlaf zu einem gehobenen Wohnsitz mit kleiner Landwirtschaft und öffentlichen Veranstaltungen wachküssen will.

Im Jahre 1101 wird erstmals ein Konrad von Lichtenowe erwähnt, der wohl an der Stelle des heutigen Schlosses eine kleine Burganlage besaß. Diese wurde im Laufe des 12. Jahrhunderts mit einem bis heute erhaltenen Hals- und Wallgraben geschützt und später, vor allem in der Renaissance, zu einem Schloss unter Wahrung des wehrhaften Burgcharakters umgebaut. Durch die Vereinigung der Herrschaften Lichtenau, Allentsgschwendt und Brunn am Wald als Fideikommiss unter dem Generalfeldwachtmeister und Hofkriegsrat Ferdinand Ernst Graf Herberstein verlor Schloss Lichtenau seine Funktion als Wohnsitz. 1812 kaufte der durch eine Heirat mit der sächsischen Gräfin Magdalena von Schönburg reich gewordene k. & k. Leutnant Josef Michael von Ehrenfels die Herrschaften. Bekannt ist der Agronom und Bienenzüchter noch heute für seine grundlegenden Werke über die Bienen- und Schafzucht.

Erst durch die Heirat des Philosophen Christian von Ehrenfels (1859–1932) mit der ungarischstämmigen verwitweten Emma von Hartmann, geb. André, wurde Schloss Lichtenau Ende des 19. Jahrhunderts wieder zum Adelswohnsitz und entsprechend im Inneren adaptiert.

Seiner Enkeltochter Leela Ehrenfels, die keine direkten Nachkommen hat, war es ein Bedürfnis und Verantwortungsbewusstsein, das ihr von ihren Vorfahren anvertraute „Paradies“, wie sie betont, rechtzeitig in gute neue Hände zu übergeben. Am Schloss sollten keine schweren Bauschäden entstehen und das Kulturgut nicht nachhaltig beeinträchtigt werden. Natürlich war es ein jahrelanger Loslösungsprozess, bis sie sich für einen aktiven Verkauf entscheiden konnte. Danach dauerte es noch knapp eineinhalb Jahre, bis der heutige Käufer gefunden war. So fand die Kaufvertragsunterzeichnung im Spätherbst des vergangenen Jahres auch direkt im „Salon vert“ im Schloss statt. Knapp über ein Jahr nach der Erstbesichtigung ist es nun so weit.

Der aus Mautern an der Donau stammende Käufer, Herr Ing. Emmerich Zöchbauer, und seine Familie waren eigentlich auf der Suche nach einem schönen Bauernhof mit Ländereien, wo er sich neben einem nunmehr reduzierten erfolgreichen Unternehmerleben auch anderen Dingen widmen kann. Schloss Lichtenau bietet dies alles, da er neben dem Schloss mit Meierhof auch die insgesamt rund 50 Hektar landwirtschaftliche Fläche inklusive eines Fischteiches erwerben konnte.

Salon Schloss Lichtenau im Waldviertel ©_Hendrich Real Estate GmbH
Salon Schloss Lichtenau im Waldviertel ©_Hendrich Real Estate GmbH
Schloss Lichtenau im Waldviertel ©_Hendrich Real Estate GmbH
Schloss Lichtenau im Waldviertel ©_Hendrich Real Estate GmbH

So sollen in den nächsten drei Jahren mit der für gelungene historische Renovierungen bekannten Firma Baumeister Günther Werner aus Mautern als Generalunternehmer die Arbeiten am Schloss und am Meierhof abgeschlossen werden. Erste vorbereitende Schritte wie Laserscanner-Vermessung oder Dendrochronologie etc. wurden in den letzten Monaten bereits durchgeführt. Bei der Sanierung geht es dem neuen Schlossbesitzer neben der Wahrung des historischen Flairs in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt auch um einen zeitgemäßen Wohnkomfort. So sollen die privaten Wohnräume im Schloss entstehen, wobei das dort begrenzte Raumangebot durch die auch unterirdische Verbindung mit dem Meierhof und Zubauten letztlich Raum für vieles bietet.

Im Meierhof werden Seminarräume, ein Tonstudio sowie eine Schauküche mit angeschlossenem Hofladen entstehen. In diesem werden dann künftig am Schlossgut und in der Region erzeugte Produkte verkauft. Um das Schlossareal autofrei zu halten, entsteht eine neue Tiefgarage. Ein Wellnessbereich mit angeschlossenem Schwimmteich bildet die Verbindung zum historischen Schlosspark mit zahlreichen Naturdenkmälern.

Herr Zöchbauer freut sich auf die neuen Aufgaben und ist ebenso bemüht, sich weiteres Wissen hierzu anzueignen. So besucht er aktuell den Kurs zum Facharbeiter für Obstbau in der Weinbauschule Krems und will in Lichtenau Obstbau mit angeschlossener Obstbrennerei sowie Gemüsesorten und Kräuter anbauen. Zur großen Freude seiner Tochter wird es auch Pferdehaltung geben. Sie will die pferdeHAK am Edelhof und die Handelsakademie in Zwettl besuchen, um dann die Pferdehaltung später noch stärker bis hin zur Pferdezucht auszubauen. Somit ist bereits die Grundlage für eine generationenübergreifende Bewirtschaftung gegeben, und Schloss Lichtenau stehen mit Leben erfüllte Zeiten bevor.

Durch Veranstaltungen wie Seminare und Konzerte sowie durch den Hofladen wird aber auch die Gemeinde Lichtenau in Zukunft profitieren und den Trend einer wachsenden und lebendigen Gemeinde einmal mehr unter Beweis stellen und ausbauen.

SchlossZimmer

Urlaub trifft Geschichte

Gisela Meran & Christiane Benger ©Florien Mori
Gisela Meran & Christiane Benger ©Florien Mori

Wir trafen unsere Mitglieder Christiane Benger und Gisela Meran von AltoSasso zum Gespräch.

 

VHGÖ: Seit sieben Jahren vermarkten Sie historische Veranstaltungsräume. Wie geht es Ihnen derzeit?

CB: Wie Sie wissen, ist die Veranstaltungsbranche lahmgelegt und es gibt daher auch keine Events in historischen Gebäuden. Aber wir akzeptieren keinen Stillstand und entwickeln uns weiter. Demnächst gehen wir mit unserer neuen Vermarktungsplattform „SchlossZimmer“ online.

VHGÖ: Was steckt hinter der Bezeichnung „SchlossZimmer“?

GM: Viele historische Anwesen befinden sich in Privatbesitz. Sie werden mit viel Liebe und Mühe von deren Eigentümerinnen und Eigentümern erhalten, gepflegt und restauriert, die mit verschiedensten Ideen versuchen, ihre Schlösser und Burgen, ihre alten Herrenhäuser und historischen Bauernhöfe zu beleben und zu nützen. In vielen dieser historischen Gebäude sind einige Zimmer oder auch einzelne Appartements zur Vermietung hergerichtet, aber das Marketing für diese einzigartige Urlaubsmöglichkeit ist ausbaufähig. Jedes Anwesen, jeder einzelne Raum hat eine lange Geschichte zu erzählen – und diese machen wir sichtbar.

VHGÖ: Was bieten Sie zu diesem Thema an?

CB: Die Plattform „SchlossZimmer – Urlaub trifft Geschichte“ bietet historisch interessierten Gästen traditionelle Locations für einzigartige und individuelle Urlaubstage an. Erholung in historischem Ambiente wird sich zum beliebten Geheimtipp entwickeln. Die Anbieter ermöglichen eine gepflegte Umgebung und eine sehr persönliche Betreuung. Der Urlaubsgast kann sich erholen und taucht dabei in die lebendige Geschichte der einzelnen Anwesen ein. Wir sind überzeugt, dass der Gast in Zeiten der Pandemie einen Aufenthalt fernab vom großen Trubel bevorzugt und genießen wird.

GM: Die Plattform bietet Ansichten, Empfehlungen und den historischen Hintergrund und stellt diese – derzeit oftmals noch unbekannten – Häuser sichtbar mit ihren Geschichten dar. Das „SchlossZimmer“ ermöglicht die Verbindung zwischen Anbietern und Urlaubssuchenden.

VHGÖ: Wie können wir uns das vorstellen? Ein Urlaubsgast landet im Zuge seiner Suche auf Ihrer Website … und dann?

CB: Dann taucht der Gast in eine Welt voller Geschichten und faszinierender Orte ein. Er oder sie kann sich unter verschiedenen Stichwörtern wie „Burg“, „Schloss“ oder „Gutshof“ den gewünschten Stil des Urlaubsortes aussuchen. Das System wird daraufhin alle entsprechenden Anbieter aufführen und mit Fotos und Infos Lust darauf machen. Der Gast kann aber auch nach anderen Filtern suchen, zum Beispiel nach Kulturepochen wie Barock und Renaissance.

©Gisela Meran & Christiane Benger
©Gisela Meran & Christiane Benger
©Gisela Meran & Christiane Benger
©Gisela Meran & Christiane Benger

VHGÖ: Was kommt danach?

GM: Die Buchung erfolgt beim Eigentümer selbst. Es besteht eine direkte Verlinkung mit dem Buchungstool des Anbieters, sei es dessen E-Mail oder ein richtiger Buchungs-Timetable. Wichtig ist, dass sich der Anbieter innerhalb von 24 Stunden auf die Anfrage meldet.

VHGÖ: Was können die Zimmeranbieter von Ihnen erwarten?

CB: AltoSasso übernimmt sowohl die Beratung als auch das Marketing für die Mitglieder vom „SchlossZimmer“ bzw. für die dort gelisteten Anwesen. Das „SchlossZimmer“ ist der Partner für private Zimmer- und Appartementvermieter in historischen Anwesen, der Nutzen in den Bereichen Marketing und Beratung sowie Netzwerk und PR bietet.

VHGÖ: Mit welchen Kosten haben die Vermieter als Mitglieder auf Ihrer Plattform zu rechnen?

GM: Für jeden Anbieter wird auf der Plattform eine eigene Seite eingerichtet. Dort werden sämtliche Informationen über das Haus bereitgestellt, angefangen von den Zimmerdetails über diverse Fotos bis zur Geschichte des Hauses, ebenso die Verlinkung zur Terminanfrage und Buchung. Dafür berechnen wir eine fixe Eintrittspassage. Diese beinhaltet das erste Beratungsgespräch vor Ort, die Erstellung der Seite auf der Plattform – also die technische Lösung –, die Formulierung der Texte sowie die Darstellung des Angebots.

VHGÖ: Wie geht es dann weiter?

CB: Die Plattform wird ständig aktualisiert. Wir sorgen für das Marketing speziell auf Social-Media-Kanälen, werden aber auch ganz klassisch die Zusammenarbeit mit Print- und TV-Anbietern suchen. In regelmäßigen Abständen werden einzelne Betriebe hervorgehoben, historische Epochen erklärt und vielleicht auch Rätsel, Wettbewerbe und Gewinnmöglichkeiten über die Seite gespielt.

Für alle diese Leistungen wird eine Jahresmitgliedschaft eingehoben, die sich am jeweiligen Doppelzimmerpreis (also die Übernachtung für 2 Personen) des einzelnen Anbieters orientiert. So ist gewährleistet, dass jeder nach seinen Möglichkeiten und nach der Kategorie seines Angebots bemessen wird. An den Buchungen selbst sind wir nicht gewinnbeteiligt. Dieser Erlös geht zu 100 Prozent an die VermieterInnen.

VHGÖ: Wie werde ich Anbieter bei Ihnen?

GM: Am besten schreiben Sie uns ein Mail oder rufen uns an. Wir sind bereit!

VHGÖ: AltoSasso wurde gegründet, um Veranstaltungen in historische Häuser zu bringen. Wie geht es damit weiter?

CB: Da die Regierung den Rettungsschirm für Veranstalter ins Leben gerufen hat, können wir endlich wieder planen. Es ist möglich, mit einem ausgefeilten Präventionskonzept auch wieder größere Veranstaltungen vorzubereiten. AltoSasso stellt dazu die Covid-19-Beauftragte. Unser Präventionskonzept hat sich bereits im Oktober 2020 bei einem großen Kongress in Salzburg bestens bewährt. Sehr gerne übernehmen wir auch in Zukunft sämtliche Arten von Veranstaltungen, Events, Meetings, Seminaren und privaten Feiern.

VHGÖ: Herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

© Palazzo Lodron
© Palazzo Lodron
© Palazzo Lodron
© Palazzo Lodron

AltoSasso GesbR

Organisieren aus Leidenschaft

2014 gegründet von Christiane Benger & Gisela Meran in Kärnten

* Nutzung historischer Anwesen in Privatbesitz für Businessveranstaltungen

* Idee, Konzept und Durchführung von privaten und geschäftlichen Veranstaltungen

AltoSasso ist spezialisiert auf das Organisieren von stilvollen und qualitativ hochwertigen Events in privaten historischen Anwesen und in allen öffentlich zugänglichen Locations. www.altosasso.at

ab Mai 2021: Start der neuen Marketing-Plattform für Anbieter von Privatzimmern in historischen Anwesen.

office@altosasso.at

Christiane Benger +43 676 5367371
Gisela Meran +43 676 3237276

Schloss Kleßheim, Gästhaus des Führers 1940 – 1945

Imma Walderdorff

Die vorliegende Publikation präsentiert die Ergebnisse des FWF-Projektes Nr. P 25211-G18, „Schloss Kleßheim als ‚Gästehaus des Führers‘ 1938–1945: Funktion und Ausstattung: Vom Barockschloss zum nationalsozialistischen Repräsentationssitz im internationalen Kontext“.

Ab 1940 war Schloss Kleßheim als Gästehaus des Führers in Verwendung. Das umfangreiche Forschungsmaterial wurde für die vorliegende Publikation erstmals einer detaillierten Sichtung und Bearbeitung unterzogen. Inhaltlich sind die Recherche-Ergebnisse in mehrere Teile gegliedert: Eine Zeitleiste zur Funktion der Schlossanlage nach dem Tod von Erzherzog Ludwig Viktor von Österreich, dem Eigentümer von Kleßheim, im Jänner 1919, bis zum Ankauf der Immobilie durch das Deutsche Reich, um diese als Gästehaus Hitlers umzugestalten.

Das nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach um 1700 erbaute fürsterzbischöfliche Jagdschloss gelangte nach der Säkularisation des Erzstifts 1803 als Schenkung von Kaiser Franz Joseph 1866 an seinen Bruder Erzherzog Ludwig Viktor. Nach dessen Tod verkauften die Erben Schloss und Garten 1921 an das Land Salzburg. Ab 1933 baute Hitler das Gebiet am Obersalzberg in Berchtesgaden zum zweitwichtigsten Zentrum nach der Reichshauptstadt Berlin aus. Schloss Kleßheim geriet auf Grund seiner Lage dabei in den Fokus der NS-Elite. Nach dem Anschluss 1938 inszenierte Joseph Goebbels erstmals die Salzburger Festspiele und nutzte in diesem Zusammenhang Schloss Kleßheim für Empfänge. 1940 fiel die Entscheidung, Schloss Kleßheim als „Gästehaus des Führers“ zu nutzen; zwingend damit verbunden waren größere Adaptierungs- und Umbaumaßnahmen im Innen- und Außenbereich sowohl im Schloss als auch an allen Gebäuden am Areal.

Die Salzburger Architekten Otto Strohmayr und Otto Reitter wurden im Juli 1940 mit Entwurf und Durchführung der Umbauten beauftragt. Für die Ausstattung zeichnete sich der Salzburger Kunsthändler Friedrich Welz verantwortlich, den weitaus größeren Bestand lieferte der bisher unbekannte Berliner Kunsthändler Arthur Heinrich Kreiser, dessen Gegenstände heute noch im Besitz der Landes Salzburg sind.

Um den Staatsgästen höchste Sicherheit zu gewähren, ließ Adolf Hitler in acht Metern Tiefe unterhalb des Schlosses einen Bunker inklusive Notstromanlage einbauen. Die vom Berliner Tiergartendirektor Rudolph Timm konzipierte Gartenanlage beruhte auf barocken Gestaltungsprinzipien und wurde ab 1941 realisiert. 1945 übernahmen die US-Amerikaner das Schloss als Sitz ihrer Militärverwaltung, 1948 übergaben sie es dann dem Land Salzburg.

Die Forschungsergebnisse zu den großangelegten Baumaßnahmen bieten einen einzigartigen Einblick in die Vorgangsweise bei der Durchführung von Adaptierungen historischer Gebäude zum Zweck der NS-Repräsentation.